Donnerstag, 22. August 2013

Ausstellung im Vitra Design Museum: Learning from Vernacular

10.08. – 29.09.2013
Vitra Design Museum, Weil am Rhein

Lehmhütten, Holzbauten, Steinhäuser – weltweit haben sich Architekturen entwickelt, die perfekt an ihre Umgebung, das Klima und die verfügbaren Materialien angepasst sind. Mit zunehmendem Bewusstsein für nachhaltiges Bauen und regionale Traditionen werden diese Bauformen als Inspirationsquelle wiederentdeckt.


Primary School, Gando, Burkina Faso, 2001 Architect: Diébédo Francis Kéré, Kéré Architecture, Germany, Photo: ErikJan Ouwerkerk


Diesem Phänomen widmet sich die Ausstellung »Learning from Vernacular«. Sie zeigt ausgewählte Beispiele traditioneller Architektur und stellt zeitgenössische Architekten vor, die daraus neue, faszinierende Bauformen ableiten. Die Beispiele traditioneller Architektur in der Ausstellung stammen unter anderem aus Südafrika, Ägypten, China, Malaysia oder Kamerun. Ihre Bauweisen reichen von Lehmarchitektur über spektakuläre Holzbauten und Hofhäuser bis zu tunnelartigen Konstruktionen aus Palmgras. Die gezeigten Projekte aktuellen Datums greifen lokale Baustoffe auf oder befassen sich mit sozialen und architektonischen Herausforderungen verschiedener Regionen. Beispiele hierfür sind die Wohnprojekte des Rural Studio der Auburn University in Alabama, die Kollaborationen zwischen Handwerkern und Architekten des indischen Studio Mumbai, die Arbeit der Architektin Carin Smuts in südafrikanischen »Townships« oder die Bambusstrukturen des kolumbianischen Architekten Simón Vélez. Filme, Fotografien und Pläne verdeutlichen die jeweilige Gebäudekonstruktion und lassen den Alltag ihrer Bewohner lebendig werden.

Mit insgesamt 40 Modellen, die durch ihre Detailtreue bestechen, vermittelt die Ausstellung gleichsam ein Panorama der Weltarchitektur. Dabei wird deutlich, dass es jenseits der hierzulande bekannten Baumaterialien eine Vielfalt anderer Werkstoffe und Konstruktionsformen gibt. Sie existieren abseits des kommerziellen Weltmarkts und werden zuweilen von Generation zu Generation weitergegeben. Oft sind dabei die sozialen Funktionen der Architektur genauso wichtig wie Ästhetik oder Ökonomie. Dank der vielen Beispiele an nachwachsenden Rohstoffen und energieneutralen Lösungen bietet »Learning from Vernacular« nicht zuletzt zahlreiche Anregungen für nachhaltiges und ressourcenschonendes Bauen.

»Learning from Vernacular« entstand auf der Basis einer umfassenden Sammlung der École Polytechnique Fédérale de Lausanne (EPFL). Sie enthält über 700 Modelle im Maßstab 1:20 sowie zahlreiche Dokumente. Die Sammlung ist wiederum Teil des »Archiv des Modernen Bauens«, dessen Leiter Pierre Frey auch Kurator von »Learning from Vernacular« ist. Zum Titel der Ausstellung, der sich auf Robert Venturis berühmten Wahlspruch der postmodernen Architektur – »Learning from Las Vegas « – bezieht, sagt Frey: »Das Wort ›vernacular‹ kommt aus dem römischen Recht. Alles was innerhalb eines Haushalts für den eigenen Verzehr oder Verbrauch produziert wurde und weder zum Verkauf noch zum Tausch gedacht war, wurde als ›vernacular‹ beschrieben.«

Aufgrund von Umbauarbeiten im Hauptgebäude des Vitra Design Museums wird die siebenwöchige Ausstellung im Dome auf dem Vitra Campus gezeigt. Dieser Bau wurde von Buckminster Fuller und T.C. Howard entworfen und zeigt, dass sich auch die Architektur der letzten Jahrzehnte immer wieder durch traditionelle Bauformen inspirieren ließ. Er basiert auf einer Zeltkuppel, deren Prinzip Buckminster Fuller nach der Konstruktionsweise sogenannter »geodätischer Strukturen« optimierte. In der Nachkriegszeit wurden Fullers »geodesic domes« weltweit bekannt. Der Dome auf dem Vitra Campus stammt von 1975 und wurde im Jahr 2000 unweit des Vitra Design Museums aufgestellt.

Am 19. September spricht Francis Kéré über seine Vision einer neuen afrikanischen Architektur, die einheimische Traditionen mit modernem Ingenieurswissen verbindet. Der in Afrika geborene Architekt wurde bekannt durch innovative Bauten wie Schulen und das Operndorf in Burkina Faso für den Regisseur und Aktionskünstler Christoph Schlingensief.


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