Freitag, 6. Dezember 2013

Preisträger für HFBKDesignpreis der Leinemann-Stiftung für Bildung und Kunst stehen fest

Ausstellung 6. Dezember 2013 bis 5. Januar 2014

Hamburg, 5. Dezember 2013 – Auf der Ausstellungseröffnung am heutigen Abend um 19 Uhr im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG) werden die diesjährigen Preisträger des mit insgesamt 4.000 Euro dotierten HFBKDesignpreises der Leinemann-Stiftung für Bildung und Kunst bekannt gegeben. Die fünfköpfige Fachjury hat bereits am Vormittag die zwölf von der Hochschule für bildende Künste Hamburg (HFBK) nominierten Projekte begutachtet und nach eingehender Diskussion ihre Entscheidung gefällt: Den Hauptpreis mit 2.000 Euro erhält Enzo Mittelberger für sein Mülltonnen-Sitzmöbel. Außerdem vergibt die Jury je einen Sonderpreis an Magnus Gburek für seine Objektserie (Nyx) zur Trauerarbeit und an die Studierendengruppe Experimentelles Design von der HFBK, die eine flexible Wohnungseinrichtung für eine Roma-Familie in Belgrad entwickelt hat. Die Sonderpreise sind mit je 1.000 Euro dotiert.



Die drei prämierten Arbeiten spiegeln mit ihren Ansätzen im poetischen, kritischen und Social Design die Bandbreite der Designrichtungen an der Kunsthochschule in Hamburg wider. Mülltonnen-Sitzmöbel, Enzo Mittelberger: Man begegnet ihm überall, hört ihn morgens auf der Straße rumpeln und rümpft die Nase, wenn man seinen Deckel hebt: der Müllcontainer auf vier Rädern – ein alltäglicher Gegenstand, der keiner weiteren Beachtung bedarf? Dabei ist seine robuste Gestalt aus dunkelgrauer Plastik zu ungeahnten Metamorphosen fähig. Man reinige ihn gründlich, forme das Grundmaterial mit thermischer Hilfe um, und schon wird aus dem hässlichen Entlein ein schöner Schwan, genauer gesagt ein gemütliches Sitzmöbel von rustikaler Eleganz.

Aufgrund seiner Festigkeit und Wetterbeständigkeit ist es ideal im Außenbereich und insbesondere auch bei Großveranstaltungen einsetzbar; aber auch als intimer Zweisitzer, mit dem man munter durch jede Wohnung rollen kann, bestens geeignet. „In seiner robusten Schlichtheit und der Verschleifung von privatem und öffentlichem Raum überzeugt das Sitzmöbel als eingängiges wie auch humorvolles Symbol für die heutige Wegwerfgesellschaft. Und dabei ist es so bequem“, sagt Kurator Friedrich von Borries. „Es reiht sich nahtlos ein in eine Reihe kritischer Designobjekte wie etwa ‚Consumer’s Rest‘ der Stiletto Studios, Berlin, von 1983 – ein zum Sitzmöbel umgebauter Einkaufswagen.“

Public Design Support, Studio Experimentelles Design: Im Rahmen des vom Goethe Institut initiierten Projekts „Urban Incubator: Belgrade“ entwickelten die 18 Studierenden im Stadtteil Savamala eine Plattform für öffentliche Gestaltungsberatung. Im praktischen Dialog mit der Nachbarschaft und durch Recherchen wurden sie auf eine Roma-Familie und deren improvisierte Hinterhofwohnung aufmerksam. Zum Schlafen, Essen, Kochen, Wohnen und Arbeiten fehlte es an Platz wie auch an Möbeln. In enger Abstimmung mit der Familie wurde innerhalb von drei Tagen mit einfachsten Mitteln eine funktionale, flexible Wohnungseinrichtung entworfen und gebaut. Es entstand ein Set stapelbarer Stühle, ein Schlafsofa für drei Personen, ein Schreibtisch mit Aufbewahrungssystem und ein Sideboard für den Familiencomputer. „Hier nehmen Designer Verantwortung wahr, spüren gesellschaftliche Leerstellen und Konflikte auf und finden konkrete Lösungen für Probleme, die von der Öffentlichkeit nicht wahrgenommen werden“, so Jury-
Vorsitzende Claudia Banz. „Das ist überzeugendes Social Design.“


Objektserie „Nyx“ zur Trauerarbeit, Magnus Gburek: Jede Gesellschaft und Epoche hat ihre spezifischen Brauchtumsformen, um auf Verluste zu reagieren. Der ritualisierte Umgang mit Objekten dient in der Trauerkultur als physische Verbindung zur Vergangenheit und Ersatz sinnlicher Nähe zu Verstorbenen. „Nyx“ bezeichnet eine Gruppe von zehn Gegenständen und Servicekonzepten, die Aspekte der Trauer übersetzen, zum Handeln auffordern oder zu Reflexion anregen sollen. Gedacht sind sie als temporäre Begleiter von Hinterbliebenen im individuellen Trauerprozess und als Angebot für Interessierte, sich mit der vielschichtigen Thematik Tod und Verlust auseinanderzusetzen. Das Projekt wurde in Zusammenarbeit mit Trauerbegleitern entwickelt. Jurymitglied und Stifterin Eva-Dorothee Leinemann zeigt sich besonders beeindruckt von dem mutigen Schritt Gbureks, ein so sensibles Thema für das Design zu erschließen. Er wagt einen ersten gestalterischen Umgang mit dem Thema Sterben und Tod in all seiner Brisanz.“

Die zwölf erstaunlichen Designprojekte der 39 Nachwuchsgestalter sind vom 6. Dezember 2013 bis zum 5. Januar 2014 im Museum für Kunst und Gewerbe zu entdecken. Die Besucher erwartet bei ihrem Rundgang durch die Ausstellung jedoch keine Präsentation wohlgeformter Produkte, vielmehr leitet alle an der Kunsthochschule entwickelte Projekte die Frage: Wie kann Design die Welt verändern? Ob es nun Sitzmöbel sind, die aus umfunktionierten Gebrauchsmaterialien wie Packbändern oder Mülltonnen bestehen, eine Open-Source-3D-Drucktechnik zum Bau von ökologischen Fahrradrahmen oder aber die Entwicklung eines territorialen Markierungssystems für eine arktische Region – hier geht es um die Gestaltung von Lebenswelt und gemeinschaftlichen Prozessen. Die Schau im MKG lädt dazu ein, sich von dem Enthusiasmus, der Neugier und Experimentierfreude der jungen Studierenden anstecken zu lassen und am Ende vielleicht bei der Überlegung zu ertappen: Könnte ich die Gesellschaft mit ändern?

Nominiert für den Designpreis 2013: 
Claire Helen Ehrhardt | Magnus Gburek | Till Ihrig | Marcin Jeż | Enzo Mittelberger | Miryam Pippich | Oliver Schau | Simon Schmitz | Studio Design der Lebenswelten Marjetica Potrč | Studio Experimentelles Design Jesko Fezer | Jakob Taranowski | Kathrin Zelger.

Mitglieder der Jury 2013:
Dr. Claudia Banz, Leiterin der Sammlung Kunst und Design, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg | Prof. Jesko Fezer, Professor für Experimentelles Design, Hochschule für bildende Künste Hamburg | Dr. Eva-Dorothee Leinemann, Leinemann-Stiftung für Bildung und Kunst | Roland Nachtigäller, Künstlerischer Direktor, Marta Herford | Dr. Hanno Rauterberg, Feuilleton-Redakteur Die Zeit.

Der von der Leinemann-Stiftung für Bildung und Kunst gestiftete HFBK-Designpreis in Höhe von insgesamt 4.000 Euro wurde erstmals 2011 im MKG vergeben. Die Hochschule für bildende Künste Hamburg, die Leinemann-Stiftung für Bildung und Kunst und das Museums für Kunst und Gewerbe Hamburg verfolgen mit dieser Kooperation das Ziel, junge Nachwuchsgestalter in Hamburg zu fördern.

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