Samstag, 4. Januar 2014

AUSSTELLUNG: Auf Schritt und Tritt - Schuhwerk in Kunst und Design

27/10/13 – 16/02/14
Museum Villa Rot
Schlossweg 2 D-88483 Burgrieden-Rot

Viele Füße brauchen viele Schuhe. Zehn Milliarden Euro haben die Deutschen im Jahre 2012 für Schuhe ausgegeben. Dies entspricht einem jährlichen Neukauf von durchschnittlich drei bis fünf Paaren je Bundesbürger. Deutschland zählt damit zu den Spitzenreitern in der Liste der wichtigsten Schuhmärkte weltweit. Quer durch alle Altersklassen hindurch ist die Fußbekleidung ein elementar wichtiges Lebensgut, ein Accessoire, Mode- und Konsumartikel, der durch sein hohes Abnutzungspotential einem ständigen Erneuerungsbedarf unterliegt. Ob Sandale oder Pumps, Westernstiefel oder Mokassin, Ballerina oder Sneaker, Gummistiefel oder Pantoffel - Schuhe sind aus unserem täglichen Leben nicht mehr weg zu denken. Die längste Zeit unseres Daseins laufen wir mit Sohlen unter den Füßen durchs Leben. So mag es nicht verwundern, dass Schuhe wie kaum ein anderes Kleidungsstück vielfältige Botschaften, Zeichen und Emotionen transportieren und die kreativen Köpfe aus Mode-, Design- und Kunstszene zu immer neuen Ideen und extravaganten Entwürfen inspirieren.

(IN)DECOROUS TASTE
Single shoe Blond 2012


Wann das Zuschneiden und Verschnüren von Schuhen einsetzte, lässt sich nur schwer rekonstruieren. Vermutlich begann das formale Gestalten vor 40.000 Jahren. Der älteste Fund einer Bastsandale, die den Fuß eines nordamerikanischen Paläoindianers zierte, datiert in die Zeit um 8.300 vor Christus. Die ältesten Überreste eines Lederschuhs stammen aus den Berner Alpen und müssen von einem jungsteinzeitlichen Gebirgsjäger in der Zeit um 4.300 v. Chr. getragen worden sein.

Neben der reinen Schutz- und Modefunktion offenbaren Schuhe über ihr Erscheinungsbild, über Farbe, Form, Material und Verarbeitung vielfältige Informationen zu Identität, sozialem Status, Gruppenzugehörigkeit und persönlichen Leidenschaften ihres Trägers. Schuhe bergen aber auch ein kreatives Potential. Der Trend zum extravaganten Designentwurf hat in den letzten Jahren nicht nur die Schuhindustrie erfasst. Immer wieder lassen sich internationale Künstlerinnen, Künstler und Architekten von gesellschaftlichen und gestalterischen Aspekten des Schuhs anregen. Ungeachtet einer tatsächlichen Tragbarkeit verwandelt sich der modische Alltagsgegenstand unter ihren Händen zum spektakulären Unikat und konzeptionellen Statement, zur Provokation und bizarren Kleinskulptur. Zwischen Konstruktion und Formfantasie, Konsumkritik und Erotik eröffnen ihre Werke eine neue Sicht auf die Wirklichkeit des Fußkleides.

Es ist schon lange keine neue Erkenntnis mehr, dass sich die Grenzen zwischen Kunst, Handwerk und Produktdesign aufgelöst haben. Doch während die Avantgarde des Modedesigns mit ihrer grenzenlosen Material- und Formenlust gerne zukunftsweisende, computergestützte Technologien Abb: INSA_Anything goes when it comes to (s)hoes_2010_Elephant-dung Heels erprobt, tradierte Werkstoffe in Frage stellt, ungeniert aus dem Fundus der Kunstgeschichte schöpft und auf kommerziell motivierte Kooperationen mit der Kunstszene setzt, bewahren Künstlerinnen und Künstler vielfach den analytischen Blick auf das Schuhwerk als einem formalästhetisch und soziokulturell interessanten Phänomen. Schuhe aus Glas, Beton, Keramik und Porzellan oder als Protagonisten umfangreicher Rauminstallationen, Performances und Videoprojektionen stehen ganz in der Tradition der freien Künste und damit außerhalb der Gesetzmäßigkeiten des Modemarktes.
Die Ausstellung im Museum Villa Rot präsentiert über 120 zeitgenössische Entwürfe und Designobjekte aus aller Welt, Schuhe als Architekturen, sozialkritische Stellungnahmen, physiologische Absurditäten und Objekte, die auf den ersten Blick nicht als Schuhwerk erkennbar sind. Gleichzeitig eröffnet die Gegenüberstellung mit zeitgenössischen Künstlerpositionen eine Vielfalt formalästhetischer und kultureller Bezüge. Ob tragbar oder untragbar: Als Kunstobjekt, Recyclingprodukt oder Fetisch, aus Hightech- oder Natur-Materialien, Holz, Keramik, Glas, Papier, Leder, Gummi, Stoff, Zucker oder Schokolade erlangt der Schuh eine autonome künstlerische Aussage jenseits des alltäglichen Gebrauchs.

Folgende internationale Künstlerinnen und Künstler, Architektinnen und Architekten sowie
Designerinnen und Designer wurden zur Ausstellungsteilnahme eingeladen:

Mihai Albu / Sol Alonso / Irene Andessner / Shani Bar / Rielle Beekmans / Aart van Bezooyen
/ Marloes ten Bhomer / Götz Bury / May Y. Cheung Hoffman / Simsa Cho / Aki Choklat /
Willie Cole / Fantich & Young / Alexander Fielden / Sylvie Fleury / Sakir Gökcebag / Tabitha
Gwyn Osler / Zaha Hadid / Julian Hakes / Benjamin John Hall / Chau Har Lee / Iris van Herpen
x United Nude / Bart Hess / Ivo Hofsté / Daisuke Horie / Marita Huurinainen / INSA / Peter
Jakubik / Jan Jansen / Lauren Johnstone / Nici Jost / Kei Kagami / Kaarina Kaikkonen /
Dora Kloppenburg / KUULA + JYLHA / Maskull Lasserre / Kobi Levi / Sahil Lungani / Eelko
Moorer / Marie Oka / OLEK / Yu Otaki / Omar Angel Perez / Peter Popps / Marieka Ratsma /
Pablo Reinoso / Winde Rienstra / Svenja Ritter / Manami Sato / Elena Savchenko / Iris Schieferstein
/ Paul Schietekat / Deborah Sengl / Shoise / Ivanka Ska / Bruno Tansens / (IN) DECOROUS
TASTE / Yukiko Terada / Ainsley-t by Stuart Thom / Tetsuya Uenobe / Federico
Uribe / Jozefien Vandermarliere / Anna Vasof / Nick Veasey / ILJA by Ilja Visser / Leanie van
der Vyver / Julius Welby / Lie van der Werff / Souzan Youssouf & Naim Josefi / Erwina Ziomkowska

Begleitet wird die Ausstellung durch einen Katalog (Hardcover, deutsch/englisch, 16 €) sowie von
einem umfassenden Veranstaltungsprogramm.

Die Ausstellung im Museum Villa Rot entstand in Zusammenarbeit mit dem Virtual Shoe Museum
/ Liza Snook, Den Haag und dem Grassi-Museum für angewandte Kunst, Leipzig.

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